Landesintegrationsrat-NRW Landesintegrationsrat-NRW

Pressemitteilung vom 7. März 2012

Genug getrauert, zurück zur „Normalität“
Bundesinnenminister macht die Muslime zum Sündenbock der gescheiterten Ausländer- und Integrationspolitik in Deutschland


„Nachdem mit dem Staatsakt für die Opfer der rechtsextremistischen Morde am 23. Februar 2012 in Berlin eine würdevolle Gedenkveranstaltung durchgeführt wurde, sieht es so aus, als wolle Bundesinnenminister Friedrich nun zur ‚Normalität‘ zurückkehren. Dabei musste sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei den Angehörigen der Opfer um Entschuldigung bitten, weil der Staat über so viele Jahre so drastisch versagt hat“, sagt Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates Nordrhein-Westfalen.

„Mit diffamierenden und pauschalisierenden Aussagen über junge Muslime in Deutschland wie ‚autoritär‘ oder ‚antidemokratisch‘ macht Friedrich die benachteiligten jungen Menschen abermals zum Sündenbock einer verfehlten Integrationspolitik, ohne auf die Ursachen einzugehen. Mit solchen Aussagen bekommen nur rechtspopulistische und -extremistische Tendenzen in der Gesellschaft Auftrieb und können ihre demokratiefeindliche Gesinnung verbreiten.“

„Friedrich pickt sich die Daten aus der Studie heraus, die ihm gerade in den Kram passen und stellt sie zusammenhanglos als Beweis der Öffentlichkeit vor, um die jungen Muslime vorzuführen. Selbst die verantwortlichen Wissenschaftler für die Studie warnen davor, die Fakten aus dem Gesamtkontext herauszureißen, denn sonst sei die Gefahr groß, missverstanden und falsch interpretiert zu werden,“ erklärt Keltek weiter.

Keltek: „Ernste Gefahr für die Demokratie geht meiner Meinung nach vom Rechtsextremismus aus, der - Experten zufolge große Resonanz in der Mitte der Gesellschaft findet. Diskriminierung und Misstrauen bis hin zu einer offenen Feindseligkeit der Mehrheitsgesellschaft sind häufige Erfahrungen der Migrantinnen und Migranten. Es wäre sehr hilfreich, wenn Friedrich einen konstruktiven Beitrag dazu leisten würde, wie man diesen Tendenzen begegnen könnte, statt dass er mit pauschalisierenden Urteilen selbst Unfrieden stiftet.

In Anbetracht dieser Situation stellt sich die Frage nach dem Zweck des Islamgipfels. Macht es Sinn, dass islamische Organisationen daran teilnehmen?“
»Druckversion (PDF)