20000313
Presseerklärung vom 13.03.2000
CDU mit der Erklärung, den muttersprachlichen Unterricht abschaffen zu wollen, auf dem falschen Weg
Die Unterschriftenkampagne der CDU-Hessen gegen den sogenannten „Doppelpaß“ und für mehr Integration wurde im dortigen Landtagswahlkampf überwiegend als Unterschriftenkampagne gegen Ausländer wahrgenommen und hat wohl auch deshalb zum Wahlsieg von CDU/FDP beigetragen.
„Durch diese Aktion“ so Tayfun Keltek, Vorsitzender der LAGA NRW, „wurde das Klima für die Bereitschaft der Migrantinnen und Migranten zur Integration einerseits, für die Bereitschaft der Mehrheitsgesellschaft zur Aufnahme der Zuwanderer andererseits erheblich gestört“.
„Wenn die CDU Nordrhein-Westfalen nun durch ihren Spitzenkandidaten Jürgen Rüttgers für den Fall der Regierungsübernahme die Abschaffung des muttersprachlichen Unterrichts für Kinder mit Migrationshintergrund ankündigt,“ so Keltek weiter, „trägt er damit nicht zu einer sachlichen Diskussion über die Bildungspolitik bei, sondern führt auf Kosten der in unserer Gesellschaft politisch Schwächeren einen unsachlichen Wahlkampf. Auch der unsägliche Slogan „Kinder statt Inder“ geht in diese Richtung. Damit werden rechte Kräfte gestärkt, daß sollte die Volkspartei CDU nicht nötig haben.“
Wenn es Herrn Rüttgers um die sprachliche, schulische Integration geht, liegt er nach sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen und den Vorstellungen der EU völlig falsch. Die EU hat 2001 zum Jahr der Mehrsprachigkeit erklärt, natürliche Mehrsprachigkeit ist die beste Voraussetzung, wenn die EU von zukünftigen Schulabsolventen mindestens das Beherrschen von drei Sprachen erwartet. Die Schülerinnen und Schüler, die freiwillig und zusätzlich zum „normalen“ Unterricht am Muttersprachenunterricht teilnehmen, erwerben nicht nur Kompetenzen in der Muttersprache, sondern selbstverständlich auch in der Unterrichtssprache Deutsch. Die Entwicklung der Muttersprache bietet eine solide Grundlage für den Schulerfolg der Migrantenkinder, sie erleichtert den Erwerb der zweiten und dritten Sprache.
„Auch Herr Rüttgers und die CDU werden wissen, daß Schulerfolg und damit die berufliche Zukunft wesentlich davon abhängen, daß alle Kinder mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen sozialer und kultureller Art wahrgenommen und in diesen gefördert werden müssen. Dazu gehören auch die sprachlichen Kompetenzen. Plakative und unsachliche Forderungen und Absichtserklärungen tragen nicht zum friedlichen, gleichberechtigten Zusammenleben von Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft bei“, so Keltek abschließend.