Landesintegrationsrat-NRW Landesintegrationsrat-NRW

PM 20060717

LAGA NRW zeigt sich enttäuscht über Integrationsgipfel


Den Integrationsgipfel vom vergangenen Freitag oder das, was davon nach außen gedrungen ist, bezeichnet Tayfun Keltek, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen als Enttäuschung.

„Denn nach allem, was zu lesen ist, erschöpft sich das Zusammentreffen in mehr oder weniger bedeutenden Statements und der Einsetzung von sechs Arbeitsgruppen. Die Themen dieser Arbeitsgruppen sind aber seit langem bekannt; erfahrene Praktiker und Wissenschaftler der Migrationsarbeit haben zu all diesen Bereichen seit langem Konzepte erarbeitet, es muss nur noch darum gehen, diese endlich in die Praxis umzusetzen,“ sagt Keltek.

Bei der Zusammensetzung der „Gipfelteilnehmer“ sei aber auch nichts anderes zu erwarten gewesen, so Keltek weiter. Die Liste, die im Vorfeld als Geheimsache behandelt wurde und auch jetzt nur in Auszügen bekannt sei, mache, anders als es vorher verkündet wurde, deutlich, dass wieder einmal über Migrantinnen und Migranten geredet wurde, nicht aber mit Ihnen. Denn die breite Phalanx bedeutender Minister, Verbandspräsidenten etc. dominiere eindeutig die wenigen Menschen mit Migrationshintergrund, die auch nur einen kleinen Teil der in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten widerspiegeln.

Denn bei aller Wertschätzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Migrationshintergrund bleibe festzustellen, dass die große Zahl der Menschen aus den ehemaligen Anwerbeländern, die immer noch den weit überwiegenden Teil der Nichtdeutschen stelle, kaum repräsentiert werde. Und diejenigen, die tagtäglich in den Kommunen für Integration und ein friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben kämpfen, nämlich die demokratisch gewählten Mitglieder von Integrations- und Ausländerbeiräten, würden überhaupt nicht berücksichtigt.

„Es bleibe nur zu hoffen, dass Betroffene und Praktiker in die Arbeit der Arbeitsgruppen zur Erarbeitung des nationalen Integrationsplans einbezogen werden, denn sonst muss dieser Plan scheitern, weil niemand da ist, der die Gedanken des Plans in der Migrantenbevölkerung verbreitet und mit Leben füllt,“ sagt Keltek.

Diese Hoffnung ist aber gering, denn, wie Bundeskanzlerin Merkel am 14.07. mitteilte: „Wir haben uns geeinigt, sechs Arbeitsgruppen einzurichten. Teilnehmer der Gruppen werden hauptsächlich die Teilnehmer des Integrationsgipfels sein“.

»Druckversion (pdf)