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Thema im Landtagsausschuß

Thema im Landtagsausschuß für Migrations- angelegenheiten: „Zweisprachige Grundschulen“
Quelle: Infodienst Migration Nr. 3, August 1998

Am 14.5.1998 stellten vier Lehrerinnen und Lehrer aus dem RAA-Verbund ihre Aktivitäten zur Errichtung bilingualer Zweige an Grundschulen dem Migrationsausschuß vor. Anlaß war, daß ab dem neuen Schuljahr 1998/99 ein deutsch-italienischer Zweig an einer Grundschule in Hagen startet. Derartige Erfahrungen gibt es auch in anderen Bundesländern, in denen Deutsch mit unterschiedlichen Partnersprachen, z. B. Griechisch, Spanisch, Türkisch, Polnisch oder Portugiesisch verbunden wird.

Die Klassen bestehen zu gleichen Teilen aus Schülern, deren dominante Sprache entweder Deutsch oder die von der Schule jeweils als „Partnersprache“ ausgewählte zweite Sprache ist, in Hagen also Italienisch. Der Unterricht wird in den unterschiedlichen Sprachen jeweils von Lehrern erteilt, die diese Sprache als Muttersprache sprechen.

Es geht dabei darum, daß die Migrantenkinder ihre natürliche Mehrsprachigkeit koordiniert ausbilden und auf diese Weise sowohl ihre Muttersprache als auch Deutsch auf hohem Niveau beherrschen. Zugleich können einsprachig aufwachsende deutsche Kinder auf völlig neue Weise eine weitere Sprache lernen: Sie haben die Möglichkeit, nicht nur in Ausnahmesituationen, sondern im Alltag mit Muttersprachlern zu reden und zu lernen.
Auf diese Weise sollen sie bis zum Ende der Grundschulzeit ebenfalls ein hohes Niveau in beiden Sprachen erreichen. Immerhin wird auch für diese Kinder Mehrsprachigkeit zu einem Muss: Die Internationalisierung der Arbeitswelt oder der europäische Einigungsprozeß machen dies erforderlich.

Die Vertreter der Parteien im Ausschuß begrüßten einhellig diese Überlegungen. Sie sahen darin große Chancen sowohl für Migrantenkinder als auch für nur deutschssprachige Schülerinnen und Schüler.

Es wurde deutlich: Ähnliche Bedingungen wie in Hagen gibt es auch an anderen Orten; nicht nur mit Italienisch, sondern auch mit anderen Sprachen.

Ausländerbeiräte in NRW sollten den Rückenwind aus dem Ausschuß nutzen und vor Ort solche Angebote initiieren.